Welche Gründe für Jobsuche und Stellenwechsel gebe ich an?

Gehen Sie glaubwürdig auf Ihre eigenen Interessen ein, aber auch auf die des Arbeitgebers!

An dieser Stelle rein eigennützige Motive zu nennen wäre nicht klug. Auf der anderen Seite ist klar, dass Sie die neue Stelle nicht haben wollen, um dem neuen Chef mehr Euros ins Portemonnaie zu spülen. Es gilt also, einen Grund, eine Motivation zu finden, die beide Interessen wahrt – Ihres und das des neuen Arbeitgebers!

Mit einigem Nachdenken lassen sich durchaus Dinge finden, die beiden Parteien von Nutzen sind – das ist auch eine Sache der Darstellung und Formulierung.

  • Wenn Ihnen in Ihrer jetzigen Stelle langweilig ist, drücken Sie aus, dass Sie mehr tun, mehr Verantwortung übernehmen möchten, dazulernen möchten. Das ist nachvollziehbar, Ihr Ehrgeiz, Arbeits- und Lernwille verheißen gleichzeitig Gutes für das Ausfüllen der neuen Position.
  • Tun Sie ganz einfach nichts lieber als das, was die neue Stelle beinhaltet? Dann sagen Sie es und erklären Sie dem Unternehmen, dass es niemals einen engagierteren, motivierteren, überzeugteren Bewerber finden wird als Sie!
  • Haben Sie eine bestimmte Karriere im Sinn und wollen sich durch den Stellenwechsel voranbringen? Das dürfen Sie selbstbewusst kundtun, zum Beispiel indem Sie ­Ihre Gewissheit darüber äußern, dass Ihre Zielstrebigkeit bestens mit den betrieblichen Karrieremöglichkeiten harmoniert.
  • Auch wenn Sie in einem angeseheneren Unternehmen (zum Beispiel beim Marktführer) arbeiten wollen oder einen besseren Verdienst anstreben, bekennen Sie sich dazu – und machen Sie deutlich, dass Sie dafür selbstverständlich bereit sind, mehr zu leisten.
  • Verfügen Sie über besondere Fähigkeiten oder Kenntnisse, die schon viel zu lange brachliegen und die Sie reaktivieren und ausbauen wollen? Dann betonen Sie mit konkretem Bezug auf das Stellenprofil, wieso das Unternehmen von Ihrem Lern- und Schaffensdrang, Ihrer Power und Ihrem Einsatzwillen profitieren würde!

Wichtig ist bei all dem, dass die Sache für den neuen Arbeitgeber nicht als Notlösung rüberkommt, sondern für ihn attraktiv ist. Versetzen Sie sich wieder einmal in seine Lage: Klingt Ihre Motivation, als wollten Sie über Ihren persönlichen Vorteil hinaus

  • für ihn die Ärmel aufkrempeln?
  • Besonderes und/oder besonders viel leisten?
  • mehr Kunden ranschaffen bzw. mehr verkaufen?
  • seine Produkte und Leistungen verbessern?
  • seine Probleme lösen helfen?

Die beste Motivation aus Unternehmenssicht ist die Übereinstimmung zwischen Aufgabe/Anforderungsprofil und Ihrem persönlichen Profil! Finden Sie überzeugende Worte, vermeiden Sie nichtssagenden Formulierungen wie »passt wie die Faust aufs Auge« oder »wie für mich gebacken«. Begründen Sie, warum alles so gut passt, warum es Ihnen Freude machen würde, die Aufgabe anzupacken. Dann sind Sie gleichzeitig bestens vorbereitet auf die in Vorstellungsgesprächen beliebten Fragen »Warum haben Sie sich gerade bei uns beworben?« und »Wieso sollten wir gerade Sie einstellen?«.

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Lesen Sie hier, wie ein Bewerbungsanschreiben typischerweise aufgebaut ist >>

Lesen Sie hier, welche Gründe für eine Arbeitssuche Sie besser verschweigen >>

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14 Responses to Welche Gründe für Jobsuche und Stellenwechsel gebe ich an?

  1. Henry 24. April 2013 at 19:19 #

    Hallo Herr Bergfeld,

    auch ich möchte mich für die tolle Möglichkeit bedanken, sich in schwierigen Situationen eine fachkundige Meinung einzuholen.

    Hier mein Problem: Seit Mai 2010 habe ich drei Arbeitgeber gehabt. 2 Positionen habe ich vorab gekündigt, die letzte Stelle wurde vom Arbeitgeber gekündigt, da er plötzlich eine andere Idee hatte (Zentrale in UK).

    Ich verwende nun in meinem Lebenslauf eine Seite, welche die Stellenwechsel kurz erklärt, damit ich hier, entsprechend Ihrer Ausführung, kaum Interpretationsspielraum seitens der Personaler gebe. Ich bin hoch motiviert und sehr gut ausgebildet, leider aber habe ich diesen “miesen” Lebenslauf.

    Bevor ich Ihre Ausführungen gelesen habe, war ich eher zu ehrlich erklärt, statt die positiven Aspekte herauszustellen. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir einen Tip geben würden, wie ich meine derzeitigen Erklärungen evtl. noch verbessern kann.

    1. Einstellung als Leiter der Abteilungen X + Y. Abteilung X wurde dann jedoch nicht übergeben, da der bisherige Leiter der Abteilung aus langer Krankheit zurück kam. Statt Abteilung X wurde dann Abteilung Z übergeben, wozu ich bisher keinen Bezug hatte.

    Erklärung:

    Nach meiner Einarbeitungsphase wurden vertraglich zugesagte Aufgabengebiete nicht übergeben. Da ich dies mit meiner Einstellung „Ein Mann ein Wort“ nicht vereinbaren konnte, habe ich das Angebot des Konkurrenten Fa. X angenommen.

    2. Fa. X (Holding mit Landesgesellschaften) hat mich mit einem sehr großen Projekt gelockt, welches über einen langen Zeitraum und mit viel Verantwortung gehen sollte. Letztlich fand das Projekt nicht statt, ich war schnell mit dem kleinen Projekt fertig und habe mich gelangweilt. CEO bat mich noch mit der deutschen Gesellschaft zu sprechen, ob hier nicht eine adäquate Stelle wäre, da man mich nicht verlieren wollte. Da die deutsche Gesellschaft selbst im Umbruch war, gab es jedoch keine adäquate Stelle und ich habe das Angebot von Fa. Y angenommen.

    Erklärung:

    Das zur Einstellung ausschlaggebende Projekt wurde in vereinbarter Größe und der festgelegten Verantwortung nicht durchgeführt. Nach Abschluss des reduzierten Projektes konnte keine Funktion im Unternehmen bereitgestellt werden, welche dem Angebot von Fa. Y entsprach. Um keinen großen Zeitraum ohne verantwortliche Tätigkeit entstehen zu lassen, habe ich das Angebot von Fa. Y angenommen.

    Viele Dank im Voraus
    Henry

    • Henry 24. April 2013 at 19:47 #

      Das hört sich wirklich nicht so toll an.

      “Nach meiner Einarbeitungsphase wurden vertraglich zugesagte Aufgabengebiete nicht übergeben. Da ich dies mit meiner Einstellung „Ein Mann ein Wort“ nicht vereinbaren konnte, habe ich das Angebot des Konkurrenten Fa. X angenommen.”

      Meine Einstellung und Prinzipien interessieren da wohl nicht.

      • Henry 24. April 2013 at 19:52 #

        Evtl. so?

        Nach meiner Einarbeitungsphase wurden vertraglich zugesagte Aufgabengebiete nicht übergeben. Da dies für mich, in dieser Form, nicht akzeptabel war, habe ich das Angebot von Fa. X angenommen.

      • Autor: Wolfgang Bergfeld 26. April 2013 at 13:08 #

        Hallo Henry,

        freut mich, dass Sie meine Anregungen so ernst nehmen und umsetzen. Zu Ihren Fragen:

        1. Einstellung als Leiter der Abteilungen X + Y. Abteilung X wurde dann jedoch nicht übergeben, da der bisherige Leiter der Abteilung aus langer Krankheit zurück kam. Statt Abteilung X wurde dann Abteilung Z übergeben, wozu ich bisher keinen Bezug hatte.

        Erklärung:

        Nach meiner Einarbeitungsphase wurden vertraglich zugesagte Aufgabengebiete nicht übergeben. Da ich dies mit meiner Einstellung „Ein Mann ein Wort“ nicht vereinbaren konnte, habe ich das Angebot des Konkurrenten Fa. X angenommen.

        Ihre Einstellung könnte durchaus positiv rüberkommen, allerdings nicht in diesem Kontext, wo Sie ja eher bemängeln, dass ein anderer sein Wort *nicht* gehalten hat. Interessant wäre für den Personaler: »Ist der so unflexibel und lernunwillig? Warum hat er sich nicht in die andere Sache eingearbeitet?« Das zu erklären halte ich für wichtiger, als lediglich an der Formulierung herumzutüfteln! Aber trotzdem keine »Romane« schreiben!


        2. Fa. X (Holding mit Landesgesellschaften) hat mich mit einem sehr großen Projekt gelockt, welches über einen langen Zeitraum und mit viel Verantwortung gehen sollte. Letztlich fand das Projekt nicht statt, ich war schnell mit dem kleinen Projekt fertig und habe mich gelangweilt. CEO bat mich noch mit der deutschen Gesellschaft zu sprechen, ob hier nicht eine adäquate Stelle wäre, da man mich nicht verlieren wollte. Da die deutsche Gesellschaft selbst im Umbruch war, gab es jedoch keine adäquate Stelle und ich habe das Angebot von Fa. Y angenommen.

        Erklärung:

        Das zur Einstellung ausschlaggebende Projekt wurde in vereinbarter Größe und der festgelegten Verantwortung nicht durchgeführt. Nach Abschluss des reduzierten Projektes konnte keine Funktion im Unternehmen bereitgestellt werden, welche dem Angebot von Fa. Y entsprach. Um keinen großen Zeitraum ohne verantwortliche Tätigkeit entstehen zu lassen, habe ich das Angebot von Fa. Y angenommen.

        Das hört sich für mich zu sehr nach »Beklagen« an, würde ich neutraler bis positiver formulieren:

        »Das für die Einstellung ausschlaggebende Projekt musste leider stark reduziert werden. Nachdem ich es erfolgreich abgeschlossen hatte, fand sich für mich im Unternehmen keine verantwortliche Funktion mehr, so dass ich das Angebot von Fa. Y annahm.«

        Ich wünsche viel Erfolg – von dem Sie natürlich auch gerne hier berichten können!

        Herzliche Grüße
        Wolfgang Bergfeld

  2. cs 11. April 2013 at 12:21 #

    Hallo,
    befinden mich in eine beruflichen Dilemma und freue mich auf Profi-Tipps!

    - seit ca. 10 Monaten bin ich nun Geschäftsführer, allerdings nicht ganz freiwillig. Mein damaliger Vorgesetzter verließ das Unternehmen und es fand sich kein geeigneter Nachfolger. Für mich eigentlich eine temporäre Notlösung ( so dachte ich).Einige wenige Aufgaben/ Zuständigkeiten wurden an andere Personen delegiert, der Hauptteil beider (!)
    Jobs hängt jedoch jetzt an mir-” die Quadratur des Kreises”- auf die Dauer absolut keine Perspektive für mich und meine Familie! Hinzu kommt eine sehr lange Kündigungsfrist ( 6 Mon.) und (evtl) mein Jahrgang(1958). Ich möchte mich nun auch auf Stellenausschreibungen bewerben, die unterhalb der Geschäftsführerebene (also Abteilungsleiter o.ä.) bewerben, da ich vorher absolut mit meiner Position als Verwaltungsleiter zufrieden war. Wie begründe ich diesen Wunsch zum “Rückschritt ” auf der Karriereleiter glaubhaft?
    Vielen Dank für Ihre Antworten!

    • Autor: Wolfgang Bergfeld 11. April 2013 at 13:25 #

      Hallo,

      Sie wollen natürlich nicht sagen, dass Ihnen das »zu viel« wurde, weil man bei uns ja zumindest einen Herzinfarkt benötigt, um mal kürzer treten zu dürfen.

      Prinzipiell plädiere ich ja immer für Ehrlichkeit, man muss sie oft nur hübsch verpacken. Sie könnten z. B. einen Grund nennen wie: »Da meine Work-Life-Balance einen solchen Schritt erfordert …« (falls man sich in Ihrer Branche so geschwollen ausdrückt ;) ) oder »Da ich meine Stärken eher bei … sehe« (als bei einer Führungsaufgabe).

      Können Sie damit schon was anfangen? Sonst bräuchte ich ein paar mehr Details.

      Viele Grüße
      Wolfgang Bergfeld

  3. Uwe D 20. März 2013 at 18:31 #

    vorab vielen Dank für Ihre Tipps.
    Meine Frage ist, ob es generell schlecht ist, wenn man als Wechselgrund angibt, dass man sich unterfordert fühlt und nicht seinen Qualifikationen entsprechend eingesetzt wird.
    Man soll ja verständlicherweise nicht schlecht über seinen Job und Arbeitgeber reden, aber gehört das auch schon dazu? Oder ist es ehrlich und verständlich, wenn aus dem Lebenslauf hervorgeht, dass man zu “höheren” qualifiziert ist und sich deswegen neu bewirbt?
    Kurz um: Kann ich schreiben, dass ich unterfordert bin, oder ist das schon ein no-go?
    Danke

    • wb 20. März 2013 at 18:43 #

      Ich würde das Wort »unterfordert« vermeiden, es sagt nicht viel aus und könnte arrogant rüberkommen oder nach »schwieriger Mitarbeiter« klingen. Sagen Sie lieber, dass Sie dazulernen, sich weiterentwickeln, Ihre Kenntnisse im Bereich XY in die Praxis umsetzen, mehr Verantwortung übernehmen, mehr leisten wollen. Denken Sie dran: Das Unternehmen interessiert sich nicht für Ihre persönliche Unzufriedenheit oder Entwicklung, sondern nur dafür, was Sie ihm bringen!

      • Uwe D 20. März 2013 at 19:08 #

        vielen Dank.
        Sie haben Recht. Man erwischt sich immer wieder dabei zu vergessen aus Sicht des Unternehmenserfolges und Interesses zu schreiben!

      • wb 20. März 2013 at 20:09 #

        Genau. Denkt man dann wieder dran, beantworten sich viele Fragen von selbst :)

  4. Balindys 10. März 2013 at 19:31 #

    Hallo,

    Ich (33) mache seit September 2012 eine Umschulung zur Bürokauffrau und bin jetzt seit Januar im einjährigen Praktikum. Nun hat sich die letzten Wochen immer mehr heraus gestellt, dass der Praktikumsbetrieb die falsche Entscheidung war, da ich dort in keinster Weise ausgebildet werde. Dementsprechend möchte ich wechseln. Das ist auch mit meiner Ausbildungsleiterin abgesegnet und natürlich hab ich vor, solange dort zu bleiben, bis ich einen neuen Praktikumsplatz habe.

    Nur: wie bringe ich das im Anschreiben für die Praktikumsbewerbungen sauber und souverän unter?

    Liebe Grüße und vielen Dank im vorraus.

    • wb 10. März 2013 at 20:34 #

      Hallo,

      der Januar ist ja noch nicht so lange her und es ist doch nicht vorgeschrieben, wann Sie Ihr Praktikum beginnen, oder? Können Sie das nicht einfach in Anschreiben und Lebenslauf verschweigen?

      Viele Grüße
      Wolfgang Bergfeld

  5. dot 7. März 2013 at 22:50 #

    Ich freue mich über die hilfreichen Tipps Ihrer Seite! Mich beschäftigen noch folgende Fragen:

    Wie gehe ich aber damit um, wenn ich nach einer Zeit der Selbständigkeit lieber wieder als Arbeitnehmer tätig sein möchte?

    Wie “erkläre” ich längere Zeiten der Arbeitslosigkeit?

    Sollte man “reiferes” Alter (50+) thematisieren?

    Vielen Dank für Ihre Antworten!

    • wb 8. März 2013 at 11:09 #

      Vielen Dank für Ihr Lob. Hier meine Antworten:

      Selbständigkeit: Ich plädiere ja immer für Ehrlichkeit und Offenheit. Die sollte man kombinieren damit, Vorteile für den Arbeitgeber zu finden und herauszustellen. Warum wollen Sie nicht mehr selbständig sein? Zum Beispiel, weil Sie ein regelmäßiges sicheres Einkommen schätzen. Daran ist nichts Ehrenrühriges. Schreiben Sie jetzt noch dazu, dass Sie im Gegenzug gerne überdurchschnittlichen Einsatz zu zeigen bereit sind, dass Sie aufgrund Ihrer Selbständigkeit gewohnt sind, eigenverantwortlich und zielorientiert zu arbeiten oder Ähnliches, das zur Stelle passt.

      Arbeitslosigkeit: Hierzu möchte ich Sie auf meinen Artikel Wie stelle ich Arbeitslosigkeit im Lebenslauf richtig dar? verweisen.

      Alter: Hier könnte man leicht ins Rechtfertigen oder Beschönigen geraten, was nicht gut ankommt und unglaubwürdig wirkt. Der wohl wichtigste Tipp in diesem Zusammenhang: Legen Sie besonderen Wert auf Ihr Bewerbungsfoto, investieren Sie in einen guten Fotografen. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Foto ausstrahlt: Hier ist jemand, der Erfahrung hat, der aber auch vital ist und richtig zupacken kann.

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