Einstieg ins Anschreiben – muss der originell sein?

Nein. Wenn möglich, sollte der Einstiegssatz den Empfänger interessieren, aber bemühen Sie sich bloß nicht, originell zu sein!

Ein Tipp vorweg: Schreiben Sie den ersten Satz zuletzt! Denn Sie werden einen passenderen Einstiegssatz finden, wenn Sie den Rest schon fertig vor sich haben. Zudem bringen Sie sich nicht in die Situation, stundenlang vor einem leeren Blatt zu verzweifeln!

Immer wieder ist zu lesen, eine Bewerbung sei »Werbung für sich selbst« und müsse daher auch den Regeln der Werbung folgen. Das ist falsch.

Erstens sind Sie kein Produkt und auch keine Dienstleistung und damit kein Werbeobjekt. Zweitens flattert Ihr Brief nicht einfach ins Haus des Arbeitgebers wie ein unerwünschter Werbebrief oder eine dieser lästigen Zeitungsbeilagen, sondern auf Anforderung (Initiativbewerbungen ausgenommen, siehe unten). Und damit wird Ihre Bewerbung ganz anders aufgenommen als Werbung.

Was tun Sie, wenn Sie sich für etwas inter­essieren und sich dazu Unterlagen ins Haus kommen lassen? Sie lesen sie gründlich. Und sie müssen nicht besonders auffällig sein oder Sie mit einer außergewöhnlichen Überschrift ansprechen, damit Sie sie in die Hand nehmen. Im Gegenteil, die schlicht und seriös gestalteten sprechen Sie am ehesten an, denn die erwecken Vertrauen.

Deshalb sind auch oft gehörte Aussagen wie »Ihr Einstieg muss besonders originell sein, damit man überhaupt weiterliest!« falsch. Der Personaler hat Ihr Anschreiben über eine Stellenausschreibung eingefordert. Er wird es daher zumindest anlesen und überfliegen. Oft wird er es zunächst beiseite legen und anhand Ihres Lebenslaufs entscheiden, ob Sie grundsätzlich als Kandidat in Frage kommen.

An dieser Vorgehensweise ändern Sie auch nichts mit einem originellen ersten Satz. Im Gegenteil, Sie gehen das Risiko ein, ihn mit einer als unpassend empfundenen oder zu werblichen Formulierung von Anfang an gegen sich einzunehmen! Selbst wenn Sie selbst vor Lachen brüllen müssen, Sie kennen den Geschmack des Empfängers nicht!

Ganz schlechte Beispiele:

Mit mir liegen Sie todsicher richtig!
Sie haben das große Los gezogen!
Ich löse all Ihre Probleme!

Auch noch schlecht:

Legen Sie die anderen Bewerbungen ruhig beiseite, ich bin Ihr Mann!
Genehmigen Sie sich erst mal eine Tasse Kaffee und genießen Sie meine Bewerbung!
Goethe hat einmal gesagt … bla bla bla

Besser, wenn es denn originell sein soll:

Ich koche den besten Kaffee weit und breit! (Bewerbung als Praktikant, Sekretärin o. Ä.)
Für Sie würde ich sogar nach Darmstadt ziehen!
Mit 50 Jahren passe ich zwar nicht in Ihr Profil, aber ich sehe noch verdammt gut aus!

All das sind Versuche, die je nach Job und Branche funktionieren, aber auch leicht nach hinten losgehen können.

Sicherer und meist auch besser ist der interessante Einstieg, nach dem Motto:

Nachdem ich X und Y gewuppt (oder gelernt) habe, wäre Ihr Z eine Aufgabe, die ich gerne für Sie in Angriff nehmen möchte!

Bedenken Sie immer die Frage, die der Personaler im Hinterkopf hat: Könnte DAS der geeignete Kandidat für uns sein, schafft der das?

Allenfalls bei einer Initiativbewerbung kann ein besonderer Eingangssatz das Interesse kurzfristig erhöhen. Dennoch: Wenn Sie sich nicht gerade als Werbetexter bewerben, kommt es auf diesen ersten Satz längst nicht so sehr an, wie allerorts zu lesen ist. Eine schlichte Information wie »Ich bewerbe mich bei Ihnen als …« genügt vollkommen. Ein ansprechendes Bewerbungsfoto und eine besonders deutliche Darstellung Ihrer Vorzüge sind wesentlich wichtiger!

Tipp: Schreiben Sie schlicht, ehrlich, direkt, natürlich, menschlich, kommen Sie auf den Punkt. Das ist mittlerweile so selten, dass Sie automatisch Pluspunkte sammeln!

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